José de Udaeta

27.05.1919 - 14.09.2009

Am 14. September 2009 verstarb unser Mitbegründer, Mentor
und Ehrenmitglied José de Udaeta im Alter von 90 Jahren.

Die IGkK trauert um einen großen Künstler und Maestro,
der viele Künstlergenerationen geprägt und inspiriert hat.

Unser Mitgefühl gilt seiner Familie
und allen die ihm nahe standen.

Am 27.05.1919 wurde José de Udaeta in Barcelona in eine großbürgerliche Familie geboren. Neben einem Medizinstudium nahm er heimlich Tanzunterrricht. Er heiratete Marta Font, sie bekammen zwei Söhne, Alberto und Santiago, und 5 Enkelkinder. Seine ersten Auftritte als klassisch und modern geschulter Tänzer absolvierte er unter einem Pseudonym und legte so den Grundstein einer einzigartigen Karriere als Tänzer, Choreograf, Pädagoge, Kastagnettenvirtuose und Autor.

José de Udaeta - Der Kastagnettenvirtuose

Mit 57 Jahren startet José de Udaeta seine Karriere als Kastagnettenvirtuose. Er eignete sich bei Emma Maleras die Technik des konzertanten Kastagnettenspiels an und betrat nach sechsjähriger Abwesenheit von der Bühne 1976 erstmals ein Konzertpodium. Seither hat er zahllose Konzerte in Europa und den USA mit seinen Kastagnettenkompositionen absolviert, unterlegt mit Musikstücken u.a. von Vivaldi, J.S.Bach, Mozart, Beethoven, Rachmaninoff, Debussy, bis hin zu Scott Joplin und den bekannten spanischen Komponisten, von Albéniz bis Rodrigo. Herbert von Karajan lud ihn als Konzertsolist zu den Festspielen nach Salzburg ein. Mit seinen Kastagnetten begleitete er die Sopranistin Montserrat Caballé bei ihren Liederabenden an der Mailänder Scala und Covent Garden Opera, London (1977), später noch an mehreren großen Opernhäusern in Deutschland, Skandinavien und USA. Ab 1979 ist er regelmäßiger Gast bei den Ludwigsburger Schloßfestspielen und präsentiert dort seine neuesten Programme, mit Solokonzerten, wie auch mit verschiedenen Ensembles:

  • "Kastagnetten und Historischer Tanz" (1979), "Kastagnetten und Percussion" (1983), "Flamenco und Percussion" (1984), "Mein Leben mit den Kastagnetten" (1987), "Kammermusik und Flamenco"(1987), "Von Barock bis Rock" (1992), "Kastagnetten heute" (1999).

"In diesen Programmen wird der von mir entwickelte Stil, die Kastagnetten mit Musik, Theatralik und Tanz zu vereinen, deutlich, hier offenbart sich meine ureigenste Welt." Im Jahr 2000 hießen die Programme "Castagnolas para Würth" und "Das Geheimnis der Kastagnetten". Mitbeteiligt sind zwei junge spanische Künstlerinnen - Belén Cabanes, Tänzerin und Marina Rodriguez, Pianistin.

Sein 25jähriges Bühnenjubiläum als Kastagnettenvirtuose feierte José de Udaeta 2001 mit einem umjubelten Konzert in der Stuttgarter Liederhalle, gemeinsam mit Belén Cabanes, der Pianistin Sigrid Sachse und dem französischen Duo “Noco Music”.

Abschiedskonzert Barcelona, 17. Mai 2007

"Nach den vielen Jahren, in denen ich die Kastagnetten auf der ganzen Welt bekannt gemacht habe, freue ich mich heute sehr, an einem Zeitpunkt angekommen zu sein, eine neue Kastagnette mit verschiedenen Formen und Nuancen vorzustellen. Es geht nicht mehr darum, die theatralische Art meiner künstlerischen Karriere nachzumachen oder zu imitieren. Die Künstler, die ich heute abend vorstelle, haben alle unterschiedliche Stile und sind alle einzigartige Virtuosen. Sie tanzen nicht, noch spielen sie Theater, doch, und das ist das wichtigste, sie bringen die Kastagnetten zum fliegen. Und darum geht es. Bei ihnen ist die Konzertkastagnette in guten Händen! Es war mir eine große Ehre, an einer so wichtigen Veranstaltung teilgenommen zu haben." José de Udaeta

José de Udaeta - Der Tänzer

José de Udaeta studierte klassischen Tanz bei Juan Magriña in Barcelona, anschließend in Madrid spanischen Tanz bei Francisca Gonzalez "La Quica" und Regla Ortega, Escuela Bolera bei den Geschwistern Pericet und bei Juan Sanchez "El Estampio" Flamencotechnik. Ein festes Engagement band ihn von 1945 bis 1949 als Solotänzer und Choreograf an die Opernbühnen Madrids. Gemeinsam mit der Schweizer Tänzerin Susanne Audeoud startete Udaeta 1948 in Genf seine internationale Karriere. Als "Susana y José" sollten die beiden 22 Jahre lang auftreten und den spanischen Tanz in allen seinen Stilformen in ganz Europa und Übersee bekannt machen, wobei ihre alljährlichen Gastspiele in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Holland die Fixpunkte ihrer ausgedehnten Tourneen blieben. Im Jahr 1970 nahm die Tanzlegende "Susana y José" in Linz/Österreich. Abschied von der Bühne. Zu ihren gemeinsamen Choreografien zählen u.a. Orfeo gitano (1951), Don Juan (1952), Encuentro ritmico (1956), Romance de Carmen y Don José (1958), La Celestina (1966) und Capricho de Goya (1967). In ihren Tanzdramen wurde das Paar zu Ausdruckstänzern der spanischen Tanztechnik, sie schufen gemeinsam mit ihrem Pianisten Antonio Robledo und dem Gitarristen Paco Hernandez einen Mikrokosmos der spanischen Kultur. In den späteren Jahren gehörten ihrem Ensemble so bedeutende Flamencokünstler an, wie die Sänger Enrique Morente und Maria La Talegona und der Gitarrist Andrés Batista. Authentische Volkstänze aus den verschiedenen Regionen Spaniens, begleitet von traditionellem Kastagnettenspiel, blieben in der folkloristischen Substanz stets unangetastet und wurden in, den originalen Trachten nachempfundenen Tanzkostümen, dargeboten. Als Charakterdarsteller kehrte José de Udaeta 1990 auf die Ballettbühne zurück, als

  • Komtur in dem Ballett "Don Juan" von José Antonio und dem Ballet Nacional de España, Madrid.

  • Herodes in der "Salome" Operninszenierung von Jochen Ulrich, am Teatro Liceo Barcelona, 1991.

  • Don Quixote in der gleichnamigen Ballettinszenierung von Patrice Bart, an der Staatsoper Berlin, 1993.

José de Udaeta - Der Choreograf

Die Tänze von "Susana y José" waren stets eigene kreative Schöpfungen. Auch sämtliche Tanzeinstudierungen bei der pädagogischen Arbeit sind Choreografien José de Udaetas. Zahlreiche Ballettcompagnien und Opernhäuser haben José de Udaeta als Choreografen engagiert, u.a.

  • 1970 das Harkness Ballet, New York, 1978 das Königliche Dänische Ballett für das Bournonville-Ballett "Toreadoren". Für die gleiche Aufgabe wurde er im selben Jahr an die Königlichen Oper Stockholm engagiert, sowie 1983 an die Dallas Ballet Company, USA.

  • 1985 erarbeitete José de Udaeta die Flamenco-Tanzeinlagen in der "Carmen" Operninszenierung von Herbert von Karajan, mit dem Ballet Español de Madrid bei den Salzburger Osterfestspielen.

  • 1987 erlebte Hans Werner Henzes "Fandango" Komposition (von 1985) durch José de Udaeta seine szenische Erstaufführung, 1988 für "Variaciones flamencas" am Landestheater Salzburg, 1989 für das Ballett der Deutschen Oper am Rhein, Duisburg die "Arlésienne-Suite" von G. Bizet, 1991 für die Tänze in der "Carmen"- Operninszenierung von Carlos Saura am Württembergischen Staatstheater Stuttgart.

  • 1993 übernahm José Teile der Choreografie in dem Ballett "Don Quixote" an der Staatsoper Berlin, desgleichen 1999 beim Ballett der Aalto Oper Essen.

  • Ab 1993 choreografierte José eine Reihe von abendfüllenden Tanzprogrammen für das spanische Arsis-Kammerballett, mit deren "La Castañuela Viva" Tanzshow er als Solist ab 1994 auf Tournee geht.

José de Udaeta - Der Pädagoge

Seine Lehrtätigkeit begann José de Udaeta 1957 an der Internationalen Sommerakademie des Tanzes Köln, wo er bis 1979 Spanischen Tanz und Kastagnetten unterrichtete. Ab 1976 wird er als Dozent immer häufiger an die Musikhochschulen und Tanzakademien in Wien, Hannover, Köln, Stuttgart, Hamburg und Dresden gerufen. Später kommen noch Berlin, Leipzig und Amsterdam hinzu. 1973 gründet er in Sitges/Spanien die internationalen Sommerkurse für Spanischen Tanz und macht sie zur weltweit bedeutendsten Einrichtung für den Tänzernachwuchs in allen Sparten des spanischen Tanzes. Mit einem hochrangigen internationalen Dozententeam vermittelt er den Studenten aus aller Welt das reiche spanische Kulturerbe. In den 80er Jahren hält José de Udaeta an einigen der bedeutenden Universitäten in den USA mit seinen Kastagnetten `Lecture demonstrations´. Seit 1977 unterrichtet er das konzertante Kastagnettenspiel nach der Methode von Emma Maleras, hauptsächlich in den Ballettzentren in Deutschland. Von ihm wurde der erste Kastagnetten-Wettbewerb initiiert und von der IGkK in Köln 1993 durchgeführt.

José de Udaeta - Der Autor

José de Udaeta ist der Verfasser des ersten Buches über den Flamenco, das auf dem deutschsprachigen Markt erschienen ist, 1965 in der Reihe DAS TANZARCHIV, Band 5: Titel "Flamenco" von José de Udaeta. Aufgrund seiner niedrigen Auflage war es bald vergriffen. Über Jahrzehnte hinweg befaßte sich José de Udaeta mit der Geschichte der Kastagnetten und erforschte ihren Ursprung und ihre Entwicklung in verschiedenen Kulturkreisen. Daraus entstand ein reich bebildertes Standardwerk in deutscher und englischer Sprache: DIE SPANISCHE KASTAGNETTE, erschienen 1985 im Ulrich Steiner Verlag, Bergisch Gladbach, 1989 erschien im Verlag Serbal, Barcelona eine (inzwischen vergriffene) spanische Ausgabe. 1983 erschien die MC "Welt der Kastagnetten" mit Übungsbeispielen und Konzertaufnahmen, Ulrich Steiner Verlag; inzwischen vergriffen. Die CD "Magie der Kastagnetten" mit dem aktuellen Konzertrepertoire von José de Udaeta, mit den Pianisten Sigrid Sachse und Clovis Alessandri und dem Schlagzeuger Stephan Drechsler wurde 1999 von der IGkK herausgegeben.

José de Udaeta - Auszeichnungen
  • 1987 wurde José de Udaeta der "Deutsche Tanzpreis" verliehen. Der Deutsche Bundesverband für Tanzpädagogik würdigte damit die pädagogische Leistung des Künstlers.

    Duende! – Ein spanisches Wort, ein tänzerischer Begriff ist zu einer Bedeutung geworden, die wir im mitteleuropäischen Raum recht eigentlich erst mit der Kunst José de Udaetas in unser Bewußtsein aufgenommen haben. Wie so vieles im Verstehen des spanischen Tanzes durch das tänzerische und pädagogische Wirken Josés in Deutschland [..] Es ist kaum mehr auszuhalten, diese Erlesenheit, Harmonie und Schönheit des Menschen und Künstlers José de Udaeta ... Auszug Laudatio von Kurt Peters.

  • 1989 erhielt er aus der Hand des spanischen Königs die "Silber-Medaille der Schönen Künste", verbunden mit dem Ehrentitel "Ilustrissimo".

  • 1995 wurde dem Tanzschaffenden der "National-Preis für den Tanz" des Landes Katalonien verliehen.

  • 2000 ehrte ihn seine Heimatstadt Barcelona mit der "Goldenen Medaille für Verdienste um die Kunst".

  • 2001 erhält José de Udaeta die höchste Auszeichnung seines Landes: "La Creu de Sant Jordi" (das Kreuz des Heiligen Georg) aus der Hand des Ministerpräsidenten Pujol. Diese ist verbunden mit dem Titel "Honorable".

IGkK e.V.
Internationale Gesellschaft für künstlerisches Kastagnettenspiel

 

 
 

 
IGkK e.V.