Die Spanische Kastagnette


„Um Kastagnette zu spielen, musst Du sie am Daumen befestigen, die Kordel mit den Zähnen stramm ziehen und dann – obwohl es immerhin Kastagnetten sind – einfach losspielen, ohne viel zu überlegen“.

Ganz so einfach, wie es Francisco Asenjo Barbieri vor mehr als hundert Jahren in seinem Buch „Las Castañuelas“ darstellte, ist es wohl doch nicht. Spätestens bei José de Udaetas Beschreibung der „dreifachen Carretilla“ und des „gekreuzten Posticeos“ wird einem klar: Auch „Klappern“ will gelernt sein.

Die „dreifache Carretilla“ etwa verlangt ein hohes Maß an Fingerfertigkeit: „Es spielen die vier Finger der rechten Hand auf der linken Kastagnette, dann ohne Unterbrechung auf der rechten Kastagnette weiter, worauf die vier Finger der linken Hand auf ihrer eigenen Kastagnette folgen“.

Freilich gab es eine so ausgefeilte Spieltechnik nicht von Anfang an. Erst zu Beginn dieses Jahrhunderts bemühte man sich um eine differenziertere Spielweise der Kastagnette. Die Künstlerin Antonia Mercé (1888-1936), genannt „La Argentina“, war hier wegweisend. Sie empfand das monotone Geklapper anderer Tänzer und Kastagnettenspieler als laut und unmusikalisch und suchte deshalb einen Weg, „dem Instrument Töne zu entlocken, die keine Ohrenschmerzen verursachten“. Und mit Erfolg! „La Argentina“ ließ ihren Kastagnettenbauer eine Reihe unterschiedlich gewölbter Kastagnetten herstellen und experimentierte so lange mit Kastagnettenform und -spieltechnik, bis ihr ein Spiel gelang, „dessen Ausdruck vom zartesten Gurren bis hin zu leidenschaftlichen Ausbrüchen reichte“.

War die Kastagnette noch zu Antonia Mercés Zeiten unlösbar mit dem spanischen Tanz / Flamenco verbunden, so hat sie sich heute – parallel dazu – zu einem eigenständigen, vom Tanz unabhängigen Perkussionsinstrument entwickelt: In Kompositionen von Emmanuel Séjourné und Philippe Geiss, Mitgliedern des französischen Schlagzeugensembles „Les Percussions de Strasbourg“, spielt die Kastagnette neben anderen Schlaginstrumenten eine herausragende Rolle. Anklänge an die spanische Folklore wurden in diesen Anfang der achtziger Jahre komponierten Stücken bewusst vermieden.

Dass über die Kastagnette abgesehen von den gängigen Klischees hierzulande so wenig bekannt ist, liegt vermutlich daran, dass die deutschsprachige Literatur zu diesem Instrument äußerst spärlich ist. José de Udaetas Buch über Ursprung und Entwicklung der spanischen Kastagnette macht also neugierig. Der Autor – Tänzer, Choreograph, Pädagoge und Kastagnettenvirtuose, weltbekannt als männlicher Part des bis 1970 bestehenden Tanzpaares „Susana y José“ – hat sich um den spanischen Tanz in Deutschland sehr verdient gemacht.

Quelle: 'Die Spanische Kastagnette' - Auszug Rezension von Renate Hüsken in: Neue Musikzeitung, 35. Jg. (1986), Nr. 6, S. 56

IGkK e.V.
Internationale Gesellschaft für künstlerisches Kastagnettenspiel

 

 
 

 
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